Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts hatte man immer wieder Erweiterungen der Alten Pfarrkirche geplant, die einem Neubau gleichgekommen wären. Schließlich beauftragte man 1958 den Würzburger Dombaumeister Hans Schädel und seinen Mitarbeiter Friedrich Ebert mit der Neubauplanung.
Die Standortwahl in der Nähe des Friedhofs gewährleistete, dass weiterhin der Turm der Alten Pfarrkirche die Silhouette des historischen Ortskerns dominiert, während der Kirchenneubau das umliegende Neubaugebiet akzentuiert.
Teilweise wurden Ausstattungsstücke der Alten Pfarrkirche übernommen. Der Taufstein des 17. Jahrhunderts stammt wohl aus der Werkstatt der Miltenberger Bildhauerfamilie Juncker. Bei der Taufkapelle gibt es eine Darstellung der Anna Selbdritt aus der Riemenschneiderschule, in der Marienkapelle eine spätgotische Pietà.
Interessant ist das große Gemälde des Gekreuzigten an der Westwand. Es stammt ausweislich der Signatur am Fuß des Kreuzstammes von Meister AH, der auch in der Martinskapelle und im Rathaus tätig war. Vielleicht hat er vor der Auftragserteilung zunächst diesen Beweis seiner Kunstfertigkeit liefern müssen: Vor einer reichen Stadtarchitektur (Jerusalem) steht das Kreuz aus kaum beschälten Nadelholzbalken. Darüber – mit Nimbus – die Taube des Heiligen Geistes, die aber eher einer Eule gleicht. Hat AH hier bewusst das antike Symbol der Weisheit ins Bild gebracht? Der sterbende Christus leidet nicht, vielmehr richtet er seinen Blick zuversichtlich und selbstbewusst himmelwärts. Hat AH sich hier selbst porträtiert?
Das Auftragswerk für den Bürgstadter Schultheißen Peter Schneider zeigt dessen Vorfahren bis zu den Urgroßeltern. Links sind die Väter mit ihren Söhnen abgebildet, rechts die Frauen mit den Töchtern. Ein Sohn ist jeweils der Vater der nächstunteren Reihe. Unter den Füßen des Gekreuzigten steht links und rechts vom Kreuzesstamm zu lesen: „die Kreutz haben sindt in dem Verzeichneten jar abgestorben gott genad (den) seelen“. Die Jahreszahlen bei den Personen bezeichnen also deren Sterbejahre.