Nr. auf dem Plänchen: bisher keine (Miltenberg)

Miltenberg verfügte vermutlich von Anfang an über eine jüdische Gemeinde, die bereits Ende des 13. Jahrhunderts die erste Synagoge von Miltenberg erbaute. Nach einer langen, wechselvollen Geschichte wurde das inzwischen baufällig gewordene Gotteshaus 1877 an die benachbarte Kalt-Loch-Brauerei verkauft, die es instand setzte, umbaute und als Gärkeller nutzte.

Die Interimslösung, die die jüdische Gemeinde bereits vor dem Verkauf bezogen hatte, war absolut unzureichend, so dass 1885 einige Mitglieder der israelitischen Gemeinde einen Synagogen- und Schulhausbau-Verein gründeten. In den Jahren 1895 bis 1903 wurden verschiedene, direkt nebeneinander liegende Grundstücke in der Mainstraße für den Neubau gekauft, nur einen Steinwurf von der katholischen Pfarrkirche entfernt. Eines dieser Grundstücke enthielt mit dem Fischerbrunnen einen Brunnen, der geeignet war, eine Mikwe zu speisen.

Dank deutschlandweiter Kollekten und einiger sehr großzügiger Spenden, teilweise von aus Miltenberg stammenden Juden, die im Ausland zu Wohlstand gekommen waren (hier ist, allen voran, Wilhelm Klingenstein zu nennen), konnte im April 1903 der damalige Stadtbaumeister Ludwig Frosch mit der Anfertigung der Pläne beauftragt werden. Er arbeitete dabei mit Ludwig Hofmann zusammen, der bereits die evangelische Kirche geplant hatte. Kurz darauf wurde mit dem Bau begonnen. Ende August 1904 wurde die Synagoge eingeweiht, „eine Feier, welche nicht nur von den Israeliten, sondern von der ganzen Stadt in ungeheuchelter Freude begangen wurde“, wie der Bürgermeister und Chronist Schirmer schreibt.

1938 wurde durch die Nationalsozialisten vor allem der östliche Teil der Synagoge mit den Sakralräumen zerstört. Das Gebäude wurde im Anschluss als reines Wohnhaus wieder aufgebaut. Heute erinnern nur noch einzelne, kleine Elemente denjenigen, der um die Geschichte des Hauses weiß, an das frühere Aussehen (Rundbögen aus Werkstein und eine leere Plakette über der Tür, vor allem aber der Grundstein).

Aufgrund der Zerstörung im Dritten Reich sind wir, was das ursprüngliche Aussehen der Synagoge angeht, auf alte Fotos angewiesen – und auf die Beschreibung durch Jakob Josef Schirmer: „Der Neubau […] teilt sich in einen hohen Kuppelbau, welcher einen geräumigen Tempel mit Emporen für die Frauen darbietet und nebenan ein zweistöckiges Schulgebäude in dessen Parterreräumen ein Schulzimmer mit Nebengelass, im ersten Stock eine schöne Dienstwohnung mit drei Zimmern nebst Küche und Kammer für den Lehrer vorhanden sind. In dem mit Holzmagazin und Waschküche versehenen Unterraum, in welchem sich auch der ehemalige Fischerbrunnen befindet, ist zugleich Vorkehrung getroffen, im Bedarfsfalle vielleicht später ein rituelles Bad einrichten zu können. […] Auf das neue Gebäude aber, das zur Ehre Gottes geschaffen und einen Kostenaufwand von 41.663 Mk 12 Pf erfordert hatte, kann die Kultusgemeinde stolz sein, denn es ist ein schönes Werk, eine Zierde der Stadt.“

In der Denkmalliste ist die Beschreibung der „Neuen Synagoge“ (Denkmal Nr. D-6-76-139-293) relativ kurz gehalten: „Ehem. Synagoge, zweigeschossiger Sandsteinquaderbau mit Mansardwalmdach und überhöhtem Mittelrisalit mit flachem Pyramidendach, historistisch, 1904 (überkuppelter Sakralraum bis auf den Kellersockel 1938 zerstört und für Wohnzwecke umgebaut.“