Stolpersteine

Der Künstler Gunter Demnig (* 1947) hatte bereits in den1990er Jahren die Idee, den Opfern des NS-Regimes im Dritten Reich mit einem dezentralen Denkmal zu gedenken. Der Gedanke war, dass man einem großen Einzeldenkmal relativ leicht aus dem Weg gehen kann, während man sich einer Vielzahl an kleinen Gedenksteinen nicht so leicht entziehen kann.

In den Konzentrationslagern wurden den Menschen ihre Namen genommen, sie waren für die Aufseher nur noch „Nummern“. Gunter Demnigs Wunsch war es, diesen Menschen ihre Namen wieder zu geben und dafür zu sorgen, dass ihr Leid niemals vergessen würde.

Die Steine in den Boden einzulassen führt dazu, dass jeder, der auch nur schauen will, um was es sich handelt, vor dem Verstorbenen das Haupt neigen oder sich gar verbeugen muss. Eine Ehrerweisung, die den Menschen im Leben, zumindest in den letzten Jahren ihres Lebens, verwehrt geblieben ist.

Der Kritik, dass das Andenken an die Ermordeten und Verfolgten im wahrsten Sinne des Wortes „mit Füßen getreten“ würde, begegnet Demnig mit dem Hinweis, dass das, was die Nationalsozialisten taten, noch schlimmer gewesen sei als ein „mit den Füßen treten“.

Mit inzwischen über 70.000 Stolpersteinen in 1265 Städten und Gemeinden Deutschlands und in 21 Ländern Europas (Stand 2018) sind die Stolpersteine das größte dezentrale Mahnmal der Welt geworden. Und es werden ständig mehr. Mehr Steine. Mehr Städte und Gemeinden. Mehr Länder. Schließlich liegt die Zahl der Opfer auch noch sehr viel höher.

Stolpersteinverlegung 2017 G. Demnig
Stolpersteinverlegung 2017 Stein

Die Initiative „Miltenberger Stolpersteine – gegen das Vergessen“

Im Jahr 2013 wurde in Miltenberg die Initiative „Miltenberger Stolpersteine – gegen das Vergessen“ gegründet. Zwei Jahre später waren ihre Vorbereitungen bereits so weit gediehen, dass der Wunsch nach Stolpersteinen in Miltenberg im Stadtrat beraten und vom Stadtrat unterstützt wurde.

Im Mai 2016 hat Gunter Demnig dann die ersten neun Stolpersteine in Miltenberg verlegt. Weitere folgten im Juni 2017 und im Juli 2018. Inzwischen liegen hier 44 Stolpersteine, mit denen 44 Menschen gedacht wird, die von den Nazis ermordet oder in den Tod getrieben wurden.

Die Entscheidung, einstweilen keine Stolpersteine zu verlegen für Menschen, die nicht dem jüdischen Glauben angehörten und/oder sich der Verfolgung durch Flucht entziehen konnten, ist der Initiative und der Stadtverwaltung schwer gefallen, war aber aus verschiedenen Gründen notwendig.

Die Initiative hat sich ein Zitat des jüdisch-stämmigen Juristen Fritz Bauer (1903 – 1968) zum Wahlspruch gemacht:

„Nichts gehört der Vergangenheit an, alles ist Gegenwart und kann wieder Zukunft werden.“

Gerne können Sie auch eine Themenführung zu den Stolpersteinen in Miltenberg buchen.

Wenn Sie sich für das Thema interessieren, lohnt sich außerdem ein Besuch in der hochwertigen und spannenden Judaica-Ausstellung im Museum.Stadt.Miltenberg.